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Die Einhornhöhle von Scharzfeld
Die Einhornhöhle liegt ca. 1,5 km nördlich von Scharzfeld am Südrand des Harzes im Gebiet der
Brandköpfe, einem Plateau ca. 150 m über dem Grund des in den Nähe liegenden Odertales. Das Grundgebirge des Harzes besteht aus
wasserundurchlässiger Grauwacke; darüber liegt ca. 270 Millionen Jahre alter Zechstein-Dolomit der Permzeit, dessen südwestlich verlaufende Klüfte durch einen von kohlensäurehaltigen Grundwässern verursachten
langsamen Lösungsprozeß zu Tunnel und Höhlen ausgeweitet werden. Die Zusammensetzung des in die Einhornhöhle eingebrachten Geschiebes lässt vermuten, dass ein Flüsschen aus der Gegend der Scheffeltalsköpfe hier in
die Höhle versickert ist. Durch die Vertiefung der Flußtäler am Rande des Harzes sank der Grundwasserspiegel, wodurch die höhergelegenen Höhlen trocken fielen. Deren Decken waren nun der Kohlensäure in dem durch
Klüfte und Spalten eindringendem Sickerwasser ausgesetzt und bildeten die kuppelartigen Deckenkolke; der größte befindet sich in der „Hexenküche“ mit 7 m Höhe.. Durch Ausbruch von Gestein der Höhlendecken
bildete sich am Höhlenboden bis zu 13 m starker Gesteinschutt. Durch diese Vorgänge wanderte die Höhle nach oben. In der „Blauen Grotte“ der Einhornhöhle brach dadurch die Decke bis zur Erdoberfläche ein
(Erdfall). Nach dem Trockenfallen der Höhle entstand Bodensinter und Lehm lagerte sich meterdick am Höhlenboden ab, aber im Gegensatz zur Iberger Tropfsteinhöhle sind nur sehr wenige Stalaktiden entstanden. Bären
nutzten die Höhle und sorgten für reichhaltige Knochenfunde in dieser Lehmschicht. Einige im Jacob-Friesen-Gang gefundene Steinwerkzeuge und Hinweise auf den Gebrauch von Feuer lassen vermuten, dass Neandertaler die
Höhle aufgesucht haben.
Funde aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. aus der „Blauen Grotte“ zeigen, dass um
diese Zeit erstmals nacheiszeitliche Menschen in die Höhle gekommen sind. 1541 wurde die Höhle erstmals als „Zwerghöhle“ erwähnt. Die erste Erkundung und Beschreibung geht auf Johannes Letzner, Chronist und
Pastor zu Iber bei Einbeck zurück. 1655 ließ Herzog Christian Ludwig von Braunschweig-Wolfenbüttel einen zum Tode verurteilten in der „Arme-Sünder-Kammer“ verscharren. 1656 bestimmte der Arzt Johann Daniel
Horst die Fossilien als Bären-, Löwen- und Menschenknochen. 1686 führte Gottfried Wilhelm Leibniz eine Grabung durch und beschrieb die Knochen als solche des Einhorns. 1729 wurde die erstmals die Treppe in der
„Blauen Grotte“ errichtet, als ein Besuch des hannoverschen Königs Georg II. in Aussicht anstand. 1734 schuf der Wolfenbütteler Arzt und Gelehrten Franz Ernst Brückmann den ersten Höhlenplan und die erste
sichere Bestimmung der Knochen als solche von Bären. 1748 wird die Höhle erstmals „Einhorn-Loch“ genannt. Am 10.8.1784 besuchten sie Johann Wolfgang von Goethe und Georg Melchior Kraus. Zur Hundertjahrfeier
des Geburtstages von Friedrich von Schiller durch eine Jagdgesellschaft im „Schillersaal“, einem Höhlenabschnitt mit guter Akustik, wurde sie als „Schiller-Höhle“ benannt, aber nachweislich nur von 1859
bis 1860. 1872 begann mit der Grabung durch Rudolph Virchow die wissenschaftliche Erforschung der Höhle. Mit den Grabungen der Rudolph-Virchow-Stiftung Berlin 1905 bis 1910 entstand der Stollen zum „Weißen
Saal“, der heutige Zugang zur Höhle, wo heute eine gastliche Höhlenbaude den Besuchern der Einhornhöhle Erfrischungen bietet.
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