Lascaux

Das “Einhorn” (II) im “Saal der Stiere” in der Höhle von Lascaux, Dordogne, Frankreich

Betritt man den “Saal der Stiere”, so sieht man zur Linken nach der Darstellung eines Pferdekopfes (I) das sogenannte “Einhorn” (II), ein in der Tat ‘fabelhaftes’ Wesen, dessen wahre Identität wohl ungeklärt bleiben wird; denn weder befriedigt die Erklärung, bei den Hörnern handle es sich um den Rest eines heute zerstörten, ursprünglich schräg oben davor befindlichen Tieres, noch, daß ohne die Hörner ein Panther, bei Einbeziehung der Hörner aber ein Nashorn oder gar das damals wohl in der Dordogne nicht mehr vorkommende Mammut gemeint sei.
Katalog zur Ausstellung im Roemer- und Pelizaeus-Museum, Hildesheim, 1982

1988 fand der Münchner Astronom Felix Schmeidler, daß es sich bei bestimmten, mit bloßem Auge kaum mehr erkennbaren Punkten auf dem berühmten Bild mit dem verwundetem Wisent im “Schacht” der Höhle von Lascaux um die Sterne Deneb im Schwan (am Kopf des Wisents), Delta Cygni (beim Mensch), Wega in der Leier (am Vogel-Stab), Atair im Adler (am Hinterteil des Wisents) und Gamma Aquilae (knapp darunter) handeln könne. Sie entsprächen allerdings dem Bild des Himmels 17000 Jahre vor Chr. und zeigen die Bestimmung der Himmelsrichtung Norden, einer wichtigen Aufgabe nomadisierender Jägervölker. Die Blickrichtung des Menschen und des Speers zeigen 45° über dem Horizont, der Höhe des Himmelspols auf der geographischen Breite von Lascaux.
Forschung, Wissenschaft, Technik, Süddeutsche Zeitung, 13.5.1988

Nach Ansicht der Ethno-Astronomin Chantal Jègues-Wolkiewiez soll die "Einhorn" genannte Tierabbildung der Tierherde am Höhleneingang  mit den Proportionen und der räumlichen Ausbildung des Sternbildes Steinbock übereinstimmen. Laut Gérard Jasniewicz, Astronom an der Universität von Montpellier ist die Höhle nach der Sonnenwende ausgerichtet und die Positionierung von Steinbock, Skorpion und Stier in der Halle entsprechen dem damaligen Sternenhimmel.
Focus Nr. 50/2000