Opfenbach

D 88145 Opfenbach

Trotz seiner Länge:
Wie Opfenbach zu seinem Wappen kam
von Ludwig Scheller

Der eigentliche Grund zur Wappengestaltung Opfenbachs war eine große Verlegenheit. 1926 wollten sich die Frontsoldaten der Gemeinde eine neue Fahne beschaffen, in die ein Ortswappen eingestickt werden sollte. Opfenbach hatte aber kein Gemeindewappen. da war guter Rat teuer und man zog Bürgermeister Strodel hinzu, um eine Lösung der Frage zu finden. Nachfragen beim Hauptstaatsarchiv in München und beim Staatarchiv in Neuburg/D. verliefen ohne Ergebnisse. Von beiden Ämtern kam die Nachricht, daß von keinem Ortswappen Opfenbachs etwas zu finden sei. So sollte die Regierung helfen und die Erlaubnis zur Wappenführung erteilen.
Nun war bekannt, daß Gemeinden unter 2000 Einwohnern nur dann ein Wappen verliehen werden konnte, wenn ein altes Gerichtssiegel aufzuweisen wäre, oder ein Rittergeschlecht mit dem Ort in Verbindung zu bringen sei, das ein Stammeswappen besaß. Nun, Opfenbach war ein Teilgebiet des Gerichtes Simmerberg “ab dem Berg”. Das Simmerberger Gerichtssiegel zu benützen wäre demnach nicht angängig gewesen. Und ein Rittergeschlecht? Da schien eine Möglichkeit gegeben zu sein, denn bis ins 14. Jahrhundert lebten hier die Ritter von Schrundholz zu Schrundholz. Die Schrundholzer hatten aber mit Opferbach keine Verbindung, so daß von keiner direkten Beziehung gesprochen werden konnte. Immerhin war eine Verbindung mit der heimatlichen Geschichte hergestellt. Dazu kam noch die Erinnerung an eine alte Sage. Es wird nämlich erzählt, daß in der Kirche zu Opfenbach während eines Gottesdienstes plötzlich ein Schimmel erschienen sei. Die Anwesenden versuchten nun das Tier aus dem Gotteshaus zu vertreiben und klemmten es in der Eile so zwischen Tür und Angel, daß es jämmerlich verendete. Dafür mußten sie den Spottnamen “Gurreschginder” auf sich nehmen. Nun ist es aber so, daß in den meisten der alten Sagen ein geschichtlicher Kern enthalten ist und man nimmt an, daß es sich um eine Volkserinnerung an einstige heidnische Zeiten handelt, denn bei den Alemannen sowohl als auch bei den Kelten, waren Pferde die wichtigsten Opfertiere. Der Sinn der Sage bestünde also darin, daß die Tötung des Schimmels in der Kirche den Sieg des Christentums über das Heidentum symbolisiere.
Mit der Erinnerung an diese Sage kam eine zweite hinzu. Man wußte von einem alten Pfarrsiegel, das neben einem Kelch ein sich aufbäumendes Roß zeigt.
Die Lösung der Wappenfrage war nun da: Der Opferbacher Schimmel wurde mit dem Wappen derer von Schrundholz, das ein Einhorn zeigt, verbunden und zwei Wellenlinien, die quer durch das Wappen laufen, weisen auf die Schlußsilbe des Ortsnamens hin. Als amtliche Beschreibung wurde festgelegt: “In Silber über einem Bach der Kopf eines Einhorns in natürlicher Farbe.” Schöpfer des Wappens war der Heraldiker Prof. Dr. Schupp-Schleißheim. Die amtliche Verleihung erfolgte am 12.7.1930 durch das Staatsministerium des Innern.