Hessental

Der Schlußstein am Portal des 1928 erbauten ehemaligen Hessentaler Rathauses im damaligen Zeitgeschmack.
Von mir koloriert in den überlieferten heraldischen Farben der Herren von Hessental: roter Einhornrumpf auf weißem Grund.

Hessental, jetzt D 74501 Schwäbisch Hall

Ein rotes Einhorn auf silbernem Grund? Ein Wappenmotiv, das auf die Ortsherren, die Herren von Hessental, zurückgeht oder zurückgehen soll.
Wie das Hauptstaatsarchiv Stuttgart mitteilt, wurde dieses Wappen 1905 dem heute in Schwäbisch Hall eingemeindeten Hessental von der Württembergischen Archivdirektion vorgeschlagen. Eine Verleihung dieses Wappens durch eine staatliche Behörde gab es nicht.
Das Stadt- und Hospitalarchiv der Stadt Schwäbisch Hall teilt mit, daß es in den Gemeinderatsprotokollen zwischen 1893 und 1928 keinen Hinweis auf die Annahme des Gemeindewappens bzw. die Anfertigung eines Siegels gibt. Über die Herren von Hessental liegen nur sehr vage Angaben vor. Sie wurden zwischen 1078 und 1287 vereinzelt in Urkunden erwähnt, u. a. als Zeugen für die Schenken von Limpurg und als Stifter für das Kloster Comburg. Es ist auch nicht bekannt, ob die verschiedenen “von Hessental” aus einer Familie stammen. Siegel aus dieser Zeit haben sich wohl nicht erhalten. Die beiden Schwäbisch Haller Chroniken des 16. Jh. von Johann Herolt und Georg Widmann erwähnen ohne Nennung der Quelle einen Heinrich bzw. Rudolf von Hessental als Abt von Comburg, der als Wappen eine rote Einhornbrust auf weißem Grund geführt haben soll. Dieses Wappen wurde von O. v. Alberti im Württembergischen Adels- und Wappenbuch, Band 1, Stuttgart 1889, wiedergegeben unter Berufung auf das Ende des 17. Jh. erschienene Siebenmacher’sche Wappenbuch. In dessen Ausgabe von 1702 konnte es jedoch nicht aufgefunden werden.
In ‘Der Haalquell’ Nr. 16 von 1976, einer Beilage des ‘Haller Tagblattes’ vom 29. Oktober 1976 hat Herr Carl Brandt über das Ortswappen von Hessental berichtet:
“... Im Gemeindewappen wurde der Einhornrumpf geführt. ... Er prangt in Stein gehauen als kleine heraldische Scheußlichkeit mit der Jahreszahl 1928 im Schildhaupt über dem Eingang des in jenem Jahre erbauten ehemaligen Hessentaler Rathauses. Außerdem findet er sich auf dem Rundsiegel des Schultheißenamtes Hessental. Mit seiner barocken Schildform ist es offensichtlich aus dem ‘Württembergischen Adels- und Wappenbuch’ von Alberti übernommen. Dort heißt es, die Herren von Hessental waren wahrscheinlich Ministerialen der Grafen von Komburg und führten angeblich (!) den Einhornrumpf im Wappen, im Schild und auf dem Helm.
Wann ist nun dies Rundsiegel entstanden? Genau konnte ich dies nicht ermitteln. Jedenfalls nach 1905. In diesem Jahr erkundigte sich eine Kunststickerei, die eine Vereinsfahne anfertigen sollte, nach dem Gemeindewappen von Hessental. Da ein solches nicht ermittelt werden konnte, schlug die Archivdirektion Stuttgart vor, auf das Wappen des Ortsadels zurückzugreifen.
Die ältesten Siegelabdrücke, die im Stadtarchiv Hall erhalten sind, stammen aus den 20er Jahren. Als heitere Kuriosität sei erwähnt, daß das Siegel laut Gemeinderatsprotokoll vom 23.9.1927 in der Nacht vom 8. auf den 9.9.1927 zusammen mit anderen Gegenständen bei einem Einbruch aus der damaligen Ratsstube entwendet wurde. Dies ist die einzige Erwähnung des Dienstsiegels , die ich in den Hessentaler Ratsprotokollen gefunden habe. Daher muß hier auch ungeklärt bleiben, ob es sich bei dem Wappenschild mit dem Einhorn nur um ein vom Stempelschneider zur Ausfüllung des freien Raumes innerhalb der Umschrift eingesetztes Stempelbild, wie es damals noch zulässig war, oder um ein reguläres, vom Gemeinderat in Figur und Farben festgelegtes Ortswappen handelt. Über eine reguläre Annahme des Wappens enthalten die Unterlagen des Hauptstaatsarchivs Stuttgart keine Angaben. Verliehen wurde in Württemberg in der fraglichen Zeit keine Gemeindewappen.
... Der Hessentaler Einhornrumpf lebt auch nach dem Verlust der Wappenfähigkeit beispielsweise zusammen mit dem Sulzdorfer Löwen und Adler im Abzeichen des
Schützenvereins Sulzdorf-Hessental fort.”

Herzlichen Dank an Frau Schön vom Hauptstaatsarchiv Stuttgart, auch für Ihre Tipps zu weiteren “Einhorn”-Gemeinden.
Meinen Dank auch an Herrn Stihler vom Stadt- und Hospitalarchiv der Stadt Schwäbisch Hall.
Dank auch an Frau Rebstock vom Haller Tagblatt für die freundliche Unterstützung.