E. München

An der Außenwand der Münchener Frauenkirche befinden sich heute noch 115 Steine. Ein Großteil dieser Steine verweist auf davor oder in unmittelbarer Nähe liegende Gräber des 1773 geschlossenen und 1800 gepflasterten Frauenfriedhofes. Zwei Steine standen, einer lag früher wohl direkt am Grab. Acht Tafeln stammen vom Salvator-, vier vom Franziskanerfriedhof und zwei aus Kapellen der Frauenkirche.
Auf vier Epitaphien habe ich Familienwappen mit Einhörnern gefunden:

Frauenkirche, Ostseite,
Nähe Albertgasse

ANNO MDCXXXIIII DIE XXX NOVEMBRIS
OBIIT ADMODVM REVERENDVS NOBILIS ET
CLARISSIMVS DOMINVS RICHARDVS
PETTENBECK SS CANONVM DOCTOR
HVIVS ÆDIS MARIANÆ CANONICVS
ET SVMMVS CVSTOS QVI ÆTERNVM
VT VIVAT VIATOR ADPRECARE

Im Jahre 1634 am 30. November starb der hochwürdige, vornehme und berühmte Herr Richard Pettenbeck, Dr. jur. can., Kanoniker und oberster Kustos dieser Frauenkirche; Wanderer, bete für sein ewiges Leben.

Rotmarmor, H. 178 cm, B. 86 cm
PETTENBECK (Bettenböck)
RICHARD, Dr. jur., Kanoniker bei Unserer Lieben Frau Stift,
* 19.1.1575, † 30.11.1634. Sohn von Richard Balthasar Pettenbeck, Gerichtsschreiber in Murnau, † 1599 und Maria, geb. Mezgerin von Bruckh
Oben Relief des Verstorbenen vor Kruzifix kniend, an dessen Postament sein Wappen. Unten Inschrift

Frauenkirche, Südseite,
Nähe Mazaristraße

[Allhier li]gt begraben der Hoch Edel[geborene]
[Herr] Andre Bonifaciz von Schott of Regn
[peilstein, Wising und] Fronau der
[Churfrtl:] Drtl: in Bay[rn ec] gewe-
ster [Mautner] zu Regensburg [vn]nd
[Salzbeamter zu] Statt am Hoff, so
da[n Hofc]ammer[rath, Salz und Prey]
[Commissarius zu] Mün[ch]en
[seines Alters] 74 J[ahr] gestorben
[den 24.] May Anno 17[2]4
[hat mit seiner geliebten Ehe]Frau
[Maria Catharina] Scho[ttin ge]
[bohrne von Hecherin 43 Jahr gehauset, auch
[4 Söhn und 3 Döchter im Leben zurück gelassen.]
[Gott verleihe den]
[abgeleibten die ewige Ruhe.]

Rotmarmor, H. 150 cm, B. 67 cm
SCHOTT
ANDRE BONIFAZ, Salz- und Mautbeamter in Regensburg bzw. Stadtamhof,
1690 Mautner, 1720 - 1724  Hofkammerrat, Salz- und Bräukommissär in München
* (1650), † 24.5.1724, begr. 25.5.1724.
Sohn von Dr. jur. Johann Franz Schott, Pflegsverwalter in Landau, bischöfl. Rentmeister und Kastner in Passau
MARIA CATHARINA
Tochter von Paul Hecher, Salzbeamter und Mautgegenschreiber in Stadtamhof
Wappen oberhalb der Inschrift; Stein stark zerstört

Frauenkirche, Südseite,
zwischen Mazaristraße und
Liebfrauenstraße

Weißer Kalkstein, H. 115 cm, B. 45 cm
SCHMID (Schmidt)
JOHANN WOLFGANG (d. Ä.), Apotheker
* (1612), † 1692,

Huc Perge Viator!
Et duo una in Urna mirare Conjugum ju-
bilæorum paria
Primum Alpha Secundum Omega.
Pharmacopææ Schmidianæ.
Utrumque Conjugii X. Lustra integra
Monachii egressi
pius et Mortis memor Saluta.
Verbô!
Hic jacent teque exspectant
Ioan. Wolfgang. Schmid atavus LXXIX expletis.
Et Maria è domo Swegelin oriund LXXX annis.
Ac Ioan. Wolfgang. Schmid abnepos LXXX años
Unacum Maria Anna, nata Eggerin LXXVI eg-
gressa
Primus ex XVIImo alter ex XVIIImo Sæculo
Ambo Familiæ numerosæ Patres et Urbis
Senatores.
Æterna ob Virtutum Laboriosarum Decoris
Requie Dignissimi

Hierher wende dich, Wanderer, und staune über zwei Jubelpaare in einer Urne. Das erste Alpha, das zweite Omega der Schmid’schen Apotheke. Jedes der Paare verließ nach 50 unbescholtenen Ehejahren München. Fromm und des Todes eingedenk begrüße sie mit einem Wort! Hier liegen und erwarten dich: Johann Wolfgang Schmid, der Urgroßvater mit erfüllten 79 Jahren und Maria, aus dem Hause Swegelin stammend, mit 80 Jahren. Ebenso Johann Wolfgang Schmid der Urenkel, 80 Jahre, zusammen mit Maria Anna, geb. Eggerin, 76 Jahre beim Hinscheiden. Das erste Paar aus dem 17., das andere aus dem 18. Jahrhundert. Beide kinderreichen Familien stellten Geistliche und Räte der Stadt. Der ewigen Ruhe sehr würdig wegen des Glanzes ihrer schwierigen Leistungen.

Sohn von Jakob Schmid, Apotheker, * vor 1570, † 1631 und Maria (zweite Ehe)
MARIA, geb. Swegelin,
* (1618), begr. 11.3.1698
Sohn: Johann Jakob Schmid, Apotheker, † 1706
Enkel: Johann Wolfgang, begr. 13.3.1735
Urenkel: JOHANN WOLFGANG Benno (d. J.), Apotheker,
* (1703), begr. 27.12.1783
MARIA ANNA, geb. Eggerin,
* (1706), begr. 19.7.1782
Wappen über der Inschrift
Bei diesem Stein handelt es sich weniger um einen Grabstein, als um einen Gedenkstein für die Mitglieder der Familie Schmid.

Frauenkirche, Südseite,
Nähe Liebfrauenstraße

Allbie ligt beGraben die E[......]
Fraw Rosina Kiendlin geborne [Köblin]
des Ernuesten Wol[....] herrn
Georg Kiendls CurFirst [..Zoll-?]
vnd Saltzambtsgegenschreibers in
Minchen geweste Eheliche hausfraw
welche den 14 Decembris
1636 [....] in Gott Seel[igc?]lich
verschie[..........]
Freli[che aufer]st[ehun]g verleihen
welle    Amen

Rotmarmor, H. 174 cm, B. 75 cm
KIENDL
GEORG, kurfl. Zoll- und Salzamtsgegenschreiber
ROSINA
* 14.12.1636,

Tochter von Sigmund Köbl und
Maria, geb. Alterßhouerinn.
Oben Inschrift, unten Wappenrelief und Todessymbole; stark verwittert