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Zu den Einhornquellen gehören meines Erachtens nicht nur Berichte aus Altertum und Mittelalter. Fast
jedem, der nur ein wenig vom Einhorn kennt, sind die Teppiche “La Dame à la Licorne” im Musée de Cluny in Paris ein Begriff. Dennoch wären sie Ende des 19. Jahrhunderts im Schloß von Boussac beinahe
verrottet. Entdeckt hat sie der königliche Inspektor der historischen Denkmäler und Poet Prosper Mérimée. Errettet aber hat sie seine Dichterkollegin und Freundin, die emanzipierte französische Schriftstellerin
Aurore Dupin, verh. Baronin Dudevant, die - nach ihrem Freund und Mitarbeiter Sandeau - unter dem Pseudonym George Sand vom 25. April bis zum 2. Juni 1844 in zahlreichen Folgen im Pariser Zeitungsblatt Le Constitutionnel ihren Kolportageroman Jeanne über das sittsame und allen Versuchungen widerstehende Dienstmädchen veröffentlichte. Durch ihre Berichte und durch Werke und Gedichte des Dichter Rainer Maria Rilke erlangten sie ihre noch heute andauernde Berühmtheit. George Sands romantische Vermutung, der sagenhafte türkische Prinz Zizime hätte die Teppiche aus dem Orient mitgebracht, wie auch die erotische Deutung durch Rilke wichen der Fachmeinung, daß sie um 1500 als generöses Hochzeitsgeschenk für die verwitwete Dame Claude Le Viste entstanden sind - dem “einzigen Verlangen” (À
mon seul désir) des Iean de Chabanne - und die fünf Sinne symbolisieren. Sind die Gedichte von Rilke Interessierten noch bekannt, so scheinen mir doch die Berichte der George Sand
über die Teppiche von Boussac in Vergessenheit geraten.
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