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Wohin mit dem Horn? Das war in der Antike eine durchaus ernst gemeinte Frage an das Eale, zumindest nach den Berichten des Gaius Plinius Secundus (23 - 79 n. Chr.) in Naturalis Historia (Naturkunde ). Er war der Sohn einer wohlhabenden Ritterfamilie aus Como, bekleidete zivile und militärische Ämter in Gallien, Germanien, Afrika und Spanien, ehe er Flottenbefehlshaber von Misenum wurde. Zwischen 40 und 79 n. Chr. trug er in 37 Bänden seiner naturkundliche Enzyklopädie (eine klassische Summae)
meist unkommentiert alles zusammen, was über die damalige Welt bekannt war oder als gesichert angenommen wurde. Am 24. August 79 starb er während eines Ausbruchs des Vesuvs bei Stabiae, als er das Naturereignis zu
nahe betrachtete.
“Isdem ludis et rhinoceros unius in nare cornus, qualis saepe, visus. alter hic genitus hostis elephanto
cornu ad saxa limato praeparat se pugnae, in dimicatione alvum maxime petens, quam scit esse molliorem. longitudo ei par, crura multo breviora, color buxeus.”
“Bei den Spielen wurden oftmals Rhonozerosse gezeigt, mit einem Horn in der Nase. Dies ist ein zweiter
natürlicher Feind des Elefanten. Es schärft sein Horn sorgfältig an Steinen bevor es kämpft, und stößt es im Kampf meistens in den Bauch, der wie es weiß, am weichsten ist. Es ist so lang wie er, seine Beine sind
viel kürzer, die Farbe ist gelblich.”
“... Aethiopia generat multaque alia monstris similia, pinnatos equos et
cornibus armatos, quos pegasos vocant, ... , Indicos boves unicornes tricornesque, ...“
“In Äthiopien kommen viele ähnliche Bestien vor, nämlich geflügelte Pferde, mit
Hörnern bewaffnet, die sie Pegasus nennen... Es gibt dreigehörnte Einhörner”
“(... apud eosdem et quae vocatur eale, magnitudine equi fluviatilis, cauda elephanti, colore nigra vel
fulva, maxillis apri, maiora cubitalibus cornua habens mobilia, quae alterna in pugna sistit variatque infesta aut obliqua, utcumque ratio monstravit) —,”
“Neben all diesen gibt es eine andere Bestie genannt Eale, von der Größe eines Flußpferdes, mit einem Schwanz
wie ein Elefant, von schwarzer oder rötlicher Farbe, mit Kinnbacken eines Ebers, es hat ein ellenlanges biegsames Horn, das es abwechselnd im Kampf verschiedenartig nach vorne und seitlich stellen kann, je nachdem
wie es gebraucht wird.”
“... in India et boves solidis ungulis, unicornes, et feram nomine axin hinnulei pelle
pluribus candidioribusque maculis, sacrorum Liberi patris — (Orsaei Indi simias candentes toto corpore venantur) —, asperrimam autem feram monocerotem, reliquo corpore equo similem, capite cervo, pedibus
elephanto, cauda apro, mugitu gravi, uno cornu nigro media fronte cubitorum duum eminente. hanc feram vivam negant capi.”
“In Indien gibt es feste behufte Rinder, einhörnig, und auch so bezeichnete Axis-Hirsche, mit einem Fell mit
vielen schneeweißen Flecken, dem Bachus geweiht - (die Oraei in Indien jagen Affen mit ganz weißglänzendem Körper) - aber das widerwärtigste ist das Einhorn, mit dem Körper eines Pferde, dem Kopf eines
Hirsches, den Füßen eines Elefanten, dem Schwanz eines Ebers, einem dumpfen Gebrüll, einem ellenlangen schwarzen Horn mitten auf der Stirn, man kann es nicht lebend fangen.”
Plinius beschreibt nicht nur das Eale (Yale), sondern recht genau das Rhinozeros, kurz ein
merkwürdiges dreigehörntes ‘Einhorn’ und das uns geläufige Einhorn. Die Beschreibungen des Eale und des Einhorns sind genauso präzise wie die des Rhinozeros, so daß nicht von einer Verwechslung mit
diesen durch eine ungenaue Beschreibung ausgegangen werden kann. Gerade diese frühen Berichte haben den Glauben an die Existenz des Einhorns bis in die Neuzeit stark gefestigt.
Solinus beschreibt aber das Eale als ein Wildtier, “
das große Ähnlichkeit mit einem Pferd hat. Wie der Elefant hat es einen Schwanz, ist tiefschwarz, hat starke Kiefer wie ein Wildschwein, außerdem hat
es Hörner, die mehr als 1 Elle lang und zu jeder Art von Bewegung geeignet sind. Denn sie sind nicht starr wie bei den übrigen Tieren, sondern, wie es der Kampf jeweils erfordert, unabhängig voneinander
beweglich. Das eine von beiden streckt es beim Kampf nach vorn, das andere bleibt zurückgebogen, damit das eine, wenn es abgestumpft oder verletzt wird, von dem anderen ersetzt wird. Dieses Tier empfindet großes
Vergnügen an reichlich vorhandenen Flüssen und Gewässern.” Diese Beschreibung enspricht hinsichtlich Aussehen und Verhalten dem indischen Wasserbüffel, aber nicht einem
Einhorn, das ja nur ein Horn, aber nicht zwei bewegliche Hörner besitzt.
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