Ramayana

Die Ramayana-Erzählung

Hier wird die Legende dem Sumantra in den Mund gelegt. Er erzählt sie dem Dasaratha als Prophezeiung dessen, was dem Sanatkumara in Zukunft geschehen wird. Die Geburtsgeschichte des Rsyasarnga fehlt. Es wird nur erzählt, daß Rsyasrnga der Sohn des Vibhandaka sein und, Zeit seines Lebens im Walde wohnend, keinen Menschen außer seinem Vater kennen werde.

Zu dieser Zeit werde Romapada König der Anga’s sein. Durch eine Übertretung desselben werde Regenlosigkeit eintreten. Der König werde die Brahmanen um Rat fragen und sie werden raten, den Rsyasrbga herbeizuholen und ihm die Tochter des Königs, Santa, zur Frau zu geben. Der König werde dann mit den Ministern überlegen, wie man den Rsyasrnga herbeischaffen könne. Sie werden sich weigern, selbst zu gehen, allein.

“Sie werden, nachdem sie die geeigneten Mittel erwogen haben, sagen: Wir werden den Seher berbeischaffen, ohne daß ein Unheil daraus entsteht. (IX, 18)

(Anmerkung: Vermutlich stand früher hier die Geschichte der Entführung, möglicherweise in der Fassung mit Santa, der Königstochter.)

So wurde der Sohn des Rsi von dem Angafürsten durch Hetären berbeigeschafft, der Gott ließ es regnen, und Santa wird ihm gegeben. (19)

Dein Eidam Esyasrnga wird dir Söhne verschaffen. So habe ich die Erzählung dem Sanatkumara mitgeteilt. (20)

(Anmerkung: Hier endete früher vermutlich die Legende)

Erfreut aber erwiderte Dasaratha dem Sumantra: Erzähle, wie und durch welches Mittel Rsyasrnga herbeigeführt wurde. (21)

Darauf sprach Sumantra, vom König aufgefordert, folgende Worte: Wie und durch welches Mittel Rsyasrnga von den Ministern herbeigeführt wurde, das will ich dir alles erzählen. Höre mir zu mitsamt den Ministern. (X, 1)

Zu Romapada sprach der Purohito mitsamt den Ministern folgendermaßen: Folgendes gefahrloses Mittel haben wir uns ausgedacht. (2)

Und nun riet er, Hetären zu dem mit Weibern unbekannten Rsyasrnga zu senden. Der König willigte ein, und die Hetären begaben sich in den Wald in die Nähe der Einsiedelei, wo Rsyasrnga sie denn auch bald erblickte. Sie begrüßten ihn freundlich und er lud sie in seine Einsiedelei ein. Sie folgten ihm dahin, und er bewirtete sie mit Wurzeln und Früchten. Sie gaben ihm dagegen von ihren Leckereien, und machten sich dann aus Furcht vor dem alten Rsi davon. Rsyasrnga  war nach ihrem Fortgang sehr betrübt. Am folgenden Tag ging er wieder nach dem Platz, wo er die Mädchen gefunden hatte. Sie stellten sich dann auch wieder dort ein und luden ihn nun ein, nach ihrer Einsiedelei zu kommen. Er war einverstanden. Als sie ihn wegführten, regnete es. Der König begrüßte den Muni bei seiner Ankunft und gab ihm die Santa zur Frau, und Rsyasrnga lebte vergnügt mit ihr.

Der grün markierte Abschnitt könnte eine spätere Hinzufügung der Entführungsgeschichte sein, nachdem die Fassung mit Santa verloren gegangen war.

Nach den Versen aus dem Harivamsa war das Schauspiel von der Entführung des Rsyasrnga durch die Santa eine Dramatisierung eines dem mahakavya Ramayana angehörigen Abschnittes. Zur Zeit der Abfassung des Harivamsa muß also hier noch die ursprüngliche Fassung enthalten gewesen sein.