Padmapurana

Die Padmapurana-Erzählung:

Hier ist die Rsyasrnga-Legende nur in der Handschrift der Bodleiana, Wilson 111 – 116, vorhanden, in der Ausgabe der Anandasrama Series fehlt sie.

Die Legende in der Mahabharata und in der Padmapurana sind sehr ähnlich, es gibt sogar an zwei Stellen kurze wörtliche Übereinstimmungen. Die Vorgeschichte der Gazelle wird hier aber ausführlich erzählt. Die Dürre entstand hier durch die Nichtachtung eines Brahmanen, vom Fortzug der Brahmanen und ihrer Versöhnung wird nichts berichtet. Rsyasrnga ist in der Padmapurana gazellenhörnig, also mit zwei Hörnern versehen. Die Entführerin ist nicht die Tochter, sondern die Enkelin der Hetäre. Die Geschichte der Besänftigung des Rsi wird hier anders erzählt: Vibhandaka begibt sich hier in die Nähe der Stadt des Romapda und läßt Feuer aus seinen Augen sprühen, um sie mit allem, was in ihr ist, zu verbrennen. Schon ist sie in Brand geraten, als auf die Bitte des Königs sein Sohn mit Santa zu ihm geht und ihm die Königstochter als seine Gattin vorstellt. Darauf gibt der Alte sofort sein Vorhaben auf.

Obwohl die Mahabharata die ältere Form der Rsyasrnga-Erzählung enthält, scheinen Teile des Padmapurana in eine spätere Überarbeitung der Mahabharata eingeflossen zu sein. Bei den übereinstimmenden Textstellen erscheint die Fassung der Padmapurana sprachlich tadelloser und inhaltlich logischer:

Sie sprach zu ihm: Ich darf nicht empfangen werden, ich muß dich empfangen. So ist mein Gelübde: Ich nehme nirgends einen Sitz an.” Die Hetäre weigert sich, die gastliche Aufnahme anzunehmen und sich zu setzen, weil sie den Rsyasrnga auf ihr Floß locken will. In der Mahabharata (111, 12) heißt es: “Du mußt nicht mich empfangen, ich muß dich empfangen. So ist das Gelübde, o Brahmane, ich muß dich umarmen.” Wenn die Hetäre jetzt den Rsyasringa umarmt, müßte eigentlich die Wirkung der Umarmungen beschrieben werden. Rsyasrnga jedoch bietet ihr Früchte an, von Umarmungen ist erst die Rede, als er von ihren Süßigkeiten genossen und vor allem von ihrem Wein getrunken hat.

Die Geburt der Apsaras Svarnamukhi als Gazelle war eine Strafe für ihre Unehrerbietigkeit gegen Brahman. In der Mahabharata wird nur von der Erlösung durch die Geburt eines Muni berichtet, die Vorgeschichte fehlt.

Vibhandaka sucht in der Nähe nach der Verführerin und bleibt dann drei Tage bei seinem Sohn zuhause. In der Mahabharata sucht Vibhandaka drei Tage nach der Hetäre und kehrt erst dann nach Hause zurück, was weniger logisch erscheint, hätte sie doch ihren Besuch wiederholen können.

An diesen Stellen erscheint die jüngere Padmapurana der ursprünglichen Fassung der Mahabharata näher zu stehen.