Jataka

Die Jataka-Erzählung:

Zur Zeit des Brahmadatta wird der Bodhisattva in einem nördlichen Brahmanengeschlecht geboren und zieht als Büßer in den Himavat. Einst kommt eine Gazelle zu ihm und frißt dort Gras und trinkt das Wasser. Sie wird davon schwanger, kommt in die Nähe der Einsiedelei und gebiert dort nach einiger Zeit einen Knaben, den der Büßer als Sohn anerkennt. Er wird Isisingo genannt. Der Büßer macht ihn, als er herangewachsen ist, ebenfalls zum Asketen. Infolge der Kraft seiner Buße erzittert Sakra’s Palast. Daher läßt Sakra, um seine Buße zu stören, es drei Jahre lang im Reich von Kasi nicht regnen. Die Bewohner, die Not leiden, fordern den König auf, den Gott zum Regen zu zwingen. Allein er vermag es nicht. Da erscheint ihm Sakra in der Nacht und erklärt ihm, daß es nicht eher regnen werde, als bis Isisingo’s Buße durch Nalinika, die Tochter des Königs, gebrochen sei. Diese läßt sich denn auch nach einigem Sträuben zu der Aufgabe herbei. Von den Ministern begleitet, zieht sie aus. An der Grenze schlagen sie zunächst ein Lager auf und ziehen dann von hier aus, von Waldbewohnern geführt, nach der Einsiedelei des Rsi. Dort angelangt, verkleiden die Minister die Prinzessin als Rsi, ziehen ihr ein goldenes Ober- und Untergewand an und geben ihr einen Ball. So nähert sie sich dem Isisingo, der sich zuerst erschreckt in die Hütte zurückzieht, sich aber bald eines Besseren besinnt. Die Frage nach dem Ball, den Isisingo für eine seltene Frucht hält, eröffnet die Unterhaltung, und bald erfolgt eine Einladung an den vermeintlichen Asketen, in die Hütte zu treten. Hier entwickelt sich nun ein Gespräch, das zwar von der Kräftigkeit des Humors jener Tage beredtes Zeugnis ablegt, sich aber in einer lebenden Sprache nicht gut wiedergeben läßt. Das Ende ist, daß der Büßer verführt wird. Die Königstochter lädt ihn darauf nach ihrer Einsiedelei ein. Isisingo willigt ein, will aber die Rückkunft des Vater abwarten. Davon will natürlich die Königstochter nichts wissen. So geht sie alleine fort, trifft wieder die wartenden Minister und gelangt mit diesen glücklich zunächst in das Lager und dann nach Baranasi, wo es nun regnet. Isisingo ist über den Fortgang des schönen Büßers sehr betrübt. So findet ihn der heimkehrende Vater, dem der Sohn nun eine sehr ausführliche Beschreibung seines Besuchers gibt. Der Vater warnt ihn vor dem Verkehr mit solchen Unholden. Isisingo nimmt die Warnung an und gibt sich wieder der Buße hin.

Die Geburtssage soll im Gegensatz zu den brahmanischen Fassungen mit der Kandjur-Erzählung teilweise bis zur wörtlichen Übereinstimmung gehen. In der Umwandlung zu einer buddhistischen Jataka fiel die Rolle des Vaters dem Bodhisattva zu. Mit der Würde des künftigen Buddha vertrug es sich nicht, was in der alten Sage von der Begegnung mit der Apsaras erzählt wurde. Nicht erwähnt wird der Hinweis, daß Rsyasrnga ein Horn oder Hörner trägt. Wurde in der Kandjur-Erzählung der Grund für die Dürre mit der Person des Rsyasringa so in Verbindung gebracht, daß eine Entführung eigentlich nicht erforderlich war, so findet diese in der Jataka nicht mehr statt, auch das Floß und die darauf befindliche Einsiedelei ist verschwunden.

In der Dichtung der Gathas jedoch sagt der König in der ersten Gatha zu seiner Tochter: “Das Land verdorrt und das Reich geht zu Grunde. Geh, liebe Nalini, geh, hole mir den Brahmanen her.”

In der dritten Gatha sagt der König zur Prinzessin: “Nachdem du in das fruchtbare Land mit Elephanten und Wagen gezogen, reise auf einem Holzfloß weiter; so reise, liebe Nalini.”

In den Gathas 19 – 21 fordert die Königstochter dreimal den Rsyasrnga auf, nach ihrer Einsiedelei zu kommen, die sie ihm so verführerisch wie möglich beschreibt. Der Gatha 19 nach liegt sie am Ufer eines Flusses.

Die Gathas scheinen also die alte, ursprüngliche Legende zu enthalten, die Prosaerzählung eine jüngere geänderte Version. Im Einklang mit der Tradition waren vermutlich die Gathas allein im Kanon gesammelt, die vorausgesetzte verbindende Prosaerzählung blieb dem jeweiligen Erzähler überlassen.

Die vorliegende Prosaerzählung geht wahrscheinlich auf einen alten singhalesischen Text zurück, aus dem sie um 430 n. Chr. ins Pali übersetzt wurde.

Die Gathas weisen darüber hinaus einige markante Übereinstimmungen mit dem Text der Mahabharata auf.

Da die Gathas nichts enthalten, was auf den Buddhismus hinweist, könnten sie alte überlieferte Akhyabastrophen aus vorbuddhistischer Zeit sein.