Tapferes Schneiderlein

Das bekannteste Märchen, in welchem das Einhorn mitspielt, ist “Das tapfere Schneiderlein” der Gebrüder Grimm.
Es gibt übrigens zwei Fassungen, die erste, bekanntere beginnt mit dem Apfel, auf dem viele Fliegen saßen, von denen er dann derer sieben erschlug - auf einen Streich.
In der zweiten, unvollständigen Fassung kauft er sich Mus von einer Bauersfrau und streicht sich dieses auf ein Brot. Er ißt es aber erst, nachdem er ein Camisol fertig genäht hatte. Derweil haben sich Fliegen auf sein Musbrot niedergelassen, die er vertreibt. Als sie sich nicht vertreiben lassen, erschlägt er 29 auf einen Streich.

Die Gebrüder Grimm wurden mit einem Briefmarkenblock von der DDR geehrt

Das Märchen ist auch Vorlage für Sammelbilder

Das tapfere Schneiderlein
Zinnfigur bemalt
München

In einem Städtlein Romandia, war ein Schneider gesessen, welcher auf ein Zeit, als er gearbeitet, einen Apfel bei sich liegen gehabt, darauf viel Fliegen, wie dann Sommerszeiten gewöhnlich, gesessen; das thät dem Schneider Zorn, nahm einen Fleck vom Tuch und schlug auf den Apfel und erschlug der Fliegen sieben. ...
... Dem Schneider noch einmal sagte, wie er ein Einhorn im Walde hätte, das ihn so sehr großen Schaden an Tisch und Leut thät, wenn er dasselbige fing, wollt er ihm die Tochter geben. Der Schneider war dessen wohl zufrieden, nahm ein Stricklein,ging zum Wald, befahl seinen Zugeordneten, heraußen zu warten, er wollt allein hinein, spazierte also im walde umher. Indem ersah er das Einhorn gegen ihn daher springen, der Meinung ihn umzubringen; der Schneider aber war nicht unbehend, wartete bis das Einhorn gar nahe zu ihm kam, und als es nahe bei ihm war, stellte er sich hinter den Baum dabei er zu allernächst war; das Einhorn aber, so sich im vollem lauf nicht wenden konnt, mit dem Horn in den Baum lief und also darin unverwendt darin stecken blieb. Als solches der Schneider sah, herzuginge, dem Einhorn den Strick, so er mit sich genommen hätt, um den Hals thät und an dem Baum bande, hinaus zu seinen Gesellen ging, ihnen seinen Sieg über das Einhorn anzeigt, solches hernach dem König zu wissen thät, welcher außer der Maßen traurig war, nicht wußt, wie ihm zu thun wäre, dann der Schneider der Tochter begert. ...
                                                                  Text der Erstausgabe von 1812

Die zweite Fassung dieses Märchens endet mit dem Kampf mit den zwei Riesen, die weiteren Szenen, also auch der Kampf mit dem Einhorn, fehlen.

Wilhelm Grimm, geb. 1786, gest. 1859, stellte die Volks- und mittelalterliche Dichtung in den Vordergrund seiner Arbeit; er ist der eigentliche Schöpfer der “Kinder- und Hausmärchen”, die er 1811 zusammen mit mit seinem Bruder Jakob, geb. 1785, gest. 1863, herausgab. Wissenschaftliche Berühmtheit erlangten beide durch die Herausgabe des “Deutschen Wörterbuches” ab 1852.

Eine besonders nette Übertragung des Grimm’schen Märchens ins schwyzerdytsche ist
“S dapfer Schnyyderli”, verzellt vom Peter Baumgartner in
“15 Määrli vo de Brieder Grimm”, GS Verlag, Basel, 1989:

   ... “Also bivoor du my Dochter und s halb Keenigryych griegsch, mues der noon e Heldestigg groote! in sällem glyyche Wald het s en Aihoorn, wo groossi Schääde macht. Daas muesch du zeerscht no yyfange.”
   - Do het s Schyyderli gsait: “Voor eme Aihoorn han y no weeniger Angscht als voor zwai Riise. Siiben uff ai Straich, daas isch my Aart.”
   Es het derno e Strigg und e Beil mitgnoo, isch zum Wald uusen und het die, wo s biglaitet hänn, wider ghaissen am Waldrand waarte.
   Es het nit lang miese sueche, s Aihoorn isch glyyn emool derhäär koo und isch diräggt uff der Schnyyder loospfyylt, wie wenn s en woot ooni langi Dänz uffspiesse. - “Subtyl! Subtyl! Esoo gschwind goot das nit!” het er gsait, isch stoo blüben und het gwaarted, bis das Dier ganz nooch gsii isch; derno isch er flingg hinder e Baum gumpt. S Aihoorn isch im volle Schuss geege der Baum ko z renne und isch mit sym Hoorn, wie mit eme Spiess, fescht in Baumstamm yynegschosse. Und d Graft het em nit glänngt, fir s wider uuse z zie. Und esoo isch s halt gfange gsii!
   “Jetzt hann i das Veegeli!” het der Schnyyder gsait, isch hinder em Baum fiirekoo und het em Aihoorn zeerscht der Strigg um der Hals bunde, derno het er em mit em Beil s Hoorn uus em Baum ghaue. Wo das alles in Oordnig gsii isch, het er des Dier abgfiert und em Keenig brocht.
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