Einhorntraum

Einhorntraum

Wogendes Gras,
wiegende Halme,
so weit das Auge reicht -
eine Symphonie in Grün.

Ich laufe barfuß
durch dieses Wunder
auf die Bäume zu.
Bäume?

Ja, da beginnt ein Wald.
Majestätische Riesen,
die bis in den Himmel wachsen,
das Blau da oben verbergen.

Mächtige Wurzeln,
über die ich klettere.
Ich komme mir vor
wie ein Zwerg.

Manchmal falle ich
ins weiche, dicke Moos.
Ich bin endlich zuhause.
Das weiß ich ganz genau.

Ich freue mich,
tanze um die Wurzeln herum,
manchmal unten durch,
wenn sie einen Bogen bilden.

Es ist still hier unten.
Ich kann die Erde
atmen hören.
Plötzlich wird der Rhythmus unterbrochen.

Was ist los?
Ich sehe einen Schimmer,
gehe darauf zu.
Und da steht es.

Mein Einhorn.
Sanft schimmert das Weiß,
glänzen die Mähne und der Schweif,
blicken die unendlichen Augen.

Es ist hier
und doch nicht
von dieser Welt.
Aber es ist da.

Das Unwirklichste
ist vielleicht sein Horn,
das wie gedrehtes Glas
nach oben weist.

Einsprengsel wie kleine Sterne
blinken darin
und auch in den Augen,
in denen ich versinke.

Die grüne Welt verschwindet
und ich finde mich wieder
in der Weite des Universums
und lausche verzückt dem Klang der Sterne.


Gabriele Fleischhacker
7.12.2001