|
„Meerstern
ich Dich grüße, oh Maria hilf! Gottesmutter süße, oh Maria hilf!
Maria hilf uns allen aus unsrer tiefen Not.”
Immer wenn ich das früher in der Kirche sang, war ich irgendwie
getröstet, fühlte mich verstanden.
Einmal träumte ich, ich wäre auf einer fremden Insel gestrandet und am Ufer standen viele Menschen.
Sie schienen auf etwas zu warten oder auf
jemanden? Was wußte ich denn? Aber alle sahen in meine Richtung.
Ich drehte mich um, sah auf das Meer hinaus. Aber niemand kam. Kein Schiff in Sicht.
Ich wandte mich wieder der Menge
zu. Kein Zweifel, sie meinten mich, sie erwarteten etwas von mir.
Aber was wollten die von mir? Sie kannten mich doch nicht! Ich war doch fremd hier! Hilflos hob ich die
Schultern.
Doch unbeirrt schauten sie auf mich, in ihren Augen Kummer, Schmerz, Verzweiflung. Ich wandte mich wieder dem Meer zu, den unablässig heran rollenden Wogen.
Ich dachte an den Moment
meiner Ankunft. Kalte Füße auf kaltem Sand. Kalter Wind und eine Dunkelheit, die in mein Herz kroch.
Und an die Sterne, die sich im Wasser vor mir spiegelten. Sterne im
Meer. Meersterne.
Mir fiel das Lied wieder ein, das mir in meiner Kindheit so geholfen hatte. Was konnte es schaden? So fing ich an zu singen.
Ich sang und sang. Zuerst fielen nur
vereinzelt Stimmen ein. Dann wurden es immer mehr. Unser Gesang war wie eine große Woge.
Als hätte sie nur darauf gewartet, ging die Sonne auf. Wärme überflutete den Strand und unsere
Herzen.
Ich war glücklich, wir alle waren glücklich und froh, der Dunkelheit und der Kälte entronnen zu sein.
Möge es wieder so sein wenn ich singe: “Meerstern ich dich
grüße, oh Maria hilf!”
Gabriele Fleischhacker 17.7.2002
|