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Ganz weit offen
Mein Herz ist ganz weit offen. Ich sauge diese Farben auf wie ein Löschblatt, versinke in dieser überbordenden
Fülle. Oh, dieses fantastische Blättermeer!
Feuer und Flamme soweit das Auge reicht. Am besten gefällt mir dieses Kupferrot, so warm und lebendig, eingerahmt von einem warmen
Gelb.
Nicht zu vergessen die Gerüche, warm und schwer und verheißungsvoll.
Dazu kommt noch der Duft des gedeckten Apfelkuchens, der gerade auf die Terasse getragen wird.
Noch
heißer Tee dazu. Ahhh! Ich flippe aus! Fast zuviel auf einmal. Aber vom Guten kann es nie zuviel geben. Nie zuviel.
Der Wind frischt auf. Das sachte Wogen des Waldes verändert sich,
wird lebendiger. Kühn rascheln die Bäume mit ihren Blättern, werfen sich hin und her. Das ist Rock’n Roll!
Wir flüchten nach drinnen, mit Tassen und Tellern beladen. Funny bringt den
Rest in Sicherheit, Robert hilft ihr. Im Nu ist die Terasse leer, aber nicht für lange.
Geschützt durch die Glasscheibe beobachten wir den nun aufziehenden Sturm, der wie verrückt die
Blätter von den Bäumen reißt, sie in unzähliger Schar auf die glatten Fließen vor uns fegt.
Wo wir noch vor ein paar Minuten saßen wirbeln jetzt entfesselte Farbgeister in einem archaischen
Reigen umher, begleitet vom wilden Heulen des Donnergottes. Und das Merkwürdigste daran ist: Ich fühle mich zu diesem Chaos hingezogen!
Ganz nah an der Scheibe stehe ich, mein Herz hämmert in
diesem fremden Takt. Fremd - und doch erahne ich eine Vertrautheit, ja eine Freude.
Ich öffne mein Herz ganz weit, werfe meine Arme empor und stampfe mit meinen Füßen ein uraltes Muster auf den
Boden.
So schnell wie alles begann ist es auch vorbei. Mein Herzschlag beruhigt sich und ich sehe mein Spiegelbild im Glas. Habe ich das alles nur geträumt? Ich öffne die Tür und gehe
hinaus.
Weit breite ich meine Arme aus, drehe mich und lache, als ich die verduzten Gesichter hinter der Scheibe sehe.
Ich wende mich wieder der Sonne zu, den Farben, dem Wind, der mich
umschmeichelt. Ich stehe da und lebe.
All’ das verankere ich ganz fest in meinem Herzen. So kann ich mich in dunklen Stunden am Abglanz dieses
Augenblicks wärmen.
Gabriele Fleischhacker 15.5.2001
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